Zur Geschichte von Dudeldorf

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In einer Mulde liegt die Gemeinde Dudeldorf. Wenn man in das Innere des Dorfes hinein will, muss man durch eines der beiden mittelalterlichen Tore fahren. Sie wurden 1453 erbaut. An dem oberen Tor sind Schießscharte und Pechnasen angebracht. Wenn Feinde in Sicht waren, ließ der Torwächter ein schweres Fallgitter herab und schloss das Tor.

Von dem oberen Tor aus umschloss eine dicke Stadtmauer das Dorf, die im Jahre 1354 erbaut wurde.  Die Stadtmauer war 5,00 Meter hoch und 0,80 Meter dick, heute sind noch Überreste zu sehen.

Im Inneren des Dorfes steht unsere Kirche. Der Turm ist ein altes Bauwerk, das im  12. Jahrhundert gebaut wurde.

Im Mittelpunkt des Ortes steht die Burg. Sie wurde 1734 von Gottfried Heinrich Braun von Schmidtburg, so wie sie sich jetzt darstellt, umgebaut. Der älteste Teil der Burg besteht aus einem quadratischen Turm mit etwa 2 Meter dicken Wänden.

 

Die Blütezeit Dudeldorfs

Im Jahre 1354 blühte Dudeldorf immer mehr auf. Das Gewerbe erreichte eine nie ge­ahnte Vielfalt. Bierbrauereien, Gerbereien, Handwerker aller Art, bedeutende Webereien und Färbereien machten Dudeldorf auf lange Zeit zum Mittelpunkt der ganzen Umgebung und verschafften ihm Ansehen und Wohlstand.

Die drei wichtigsten Gewerbe Dudeldorfs
Weberei  und Spinnerei

Das für Dudeldorf im Untersuchungszeitraum wichtigste Handwerk war die Wollwe­berei mit den damit verbundenen Gewerbezweigen. Zu Beginn der Tuchweberei wa­ren alle Arbeitsvorgänge von ein und derselben Person ausgeführt worden. Wa­schen, Schlagen und Spinnen der Wolle wurden im Laufe der Zeit den Wollschlä­gern und Spinnern überlassen.

Ebenso übernahmen das Walken, Färben und Scheren der fertigen Tuche andere Berufsgruppen, da durch die Arbeitsteilung eine Qualitätsverbesserung möglich war. Im Verlagssystem oder aber auch nur für den Eigenbedarf verarbeiteten die Wollweber bis zur einsetzenden Industrialisierung ausschließlich einheimische Wol­le. Diese Arbeit verrichteten sie meist nur während des Winters im Nebenerwerb. Die Rohstoffe der Leinenweber waren Hanf und Flachs.

Von den Tuchscherern  hing die Qualität der von den Wollwebern hergestellten Tuchbahnen in erheblichem Maße ab. Die überstehenden Wollfasern schabten sie auf eine bestimmte Länge ab. Gleichzeitig entfernten sie aus dem fertigen Gewebe etwaige Verschmutzungen wie Strohreste oder Schafläuse. In der Zeit, als in den Städten der Zunftzwang herrschte, konnten sich die Webereien durch ihre finanziel­le Stärke behaupten und blieben weitgehend zunftfrei. Als Zentren der Wollweberei in der Region des Altkreises Bitburg galten Neuerburg, Kyllburg und Dudeldorf. Im Jahre 1624 erfahren wir von den ersten Wollwebern in Dudeldorf.

 

 

Färberei

Den größten Produktionsanteil hatten die blaugefärbten Tuche. Die mit Waid oder mit dem farbintensiven Indigo getränkte Ware wurde nach dem Farbbad auf der Fär­berwiese an Seilen aufgehängt. Erst durch die Oxydation der Farbstoffe an der Luft erhielten die präpariertenTuchbahnen ihren blauen Farbton. Eine gewisse Schwie­rigkeit für die Färberei bestand in dem etwa 350 harten Dudeldorfer Wasser, das sich zum Waschen und Färben der Tuche nicht eignete. Weiches Wasser erhielt man durch Hinzufügen von Soda und Pottasche. Bisweilen erscheint in der Literatur über Dudeldorf im Zusammenhang mit dem ehemals blühenden Wollgewerbe auch der Begriff der Färbereien. Wann diese entstanden sein sollen, wie viele es waren und wer sie betrieb, wird nirgendwo erwähnt.

 

 

Gerberei

Ein weiteres Handwerk, das Gerberhandwerk. Auch das Gerberhandwerk war stark in Dudeldorf vertreten. Auch in anderen Orten gab es Gerbereien, doch diese konn­ten nicht die Bedeutung erlangen wie in Dudeldorf. Neben den Rotgerbereien wurde in Dudeldorf auch die Weiß- oder Sämischgerberei ansässig. Obwohl die Gerberei neben der Wollweberei existierte, hatte sie deren Aufschwung im 18. Jahrhundert nicht mitvollziehen können. Erst nachdem die Webereien an Bedeutung verloren hatten (um 1840), expandierte die Gerberei und wurde dominierend. Der Standort einer Gerberei war an genügend Wasservorkommen gebunden, damit der Gerbprozess in Gang gesetzt werden konnte. Die Dudeldorfer Gerber ließen ihr großes Interesse an Frischwasser dadurch erkennen, dass sie sämtliche Gerbhäuser in der Nähe des Bachlaufes errichteten. Sie waren bemüht, die Wasserrechte in der gesamten Breite ihres Grundstückes zu nutzen. Das gelang ihnen durch den Ankauf der Parzellen am gegenüberliegenden Ufer.

 

 

"Denefa Biedenseecher"

Der Begriff "Biedenseecher" ist auch heute noch für die Dudeldorfer üblich. Er hängt mit der Tätigkeit der Dudeldorfer im 17., 18. und 19. Jahrhundert zusammen.

Menschlicher Urin wurde in Bottischen (Bieden) gesammelt und so lange stehen ge­lassen, bis sich die Trübstoffe vom im Urin enthaltenen Ammoniak absonderten. Am­moniak diente zum Waschen der fertigen Wolltuche. Ammoniak wurde aber auch in der in Dudeldorf heimischen Gerberei benutzt. Hier diente es zum Enthaaren der Felle.

 

 

Herrschaft Dudeldorf

Politisch gehörte die Herrschaft Dudeldorf im deutschen Quartier Bitburg zum Her­zogtum Luxemburg. Im Jahre 1345 erstellte König Johann der Blinde von Böhmen als Graf von Luxemburg einen Freiheitsbrief für Dudeldorf. Darin erwähnt der König ein heute verlorenes Schreiben, das er unter anderem auch an Richter, Schöffen und die Bürgerschaft zu Bitburg gerichtet hatte. Wir erfahren, dass es den Bitburgern künf­tig verboten sein soll, weder selbst noch durch ihre Stadt-Boten zu Dudeldorf Pfän­dungen vorzunehmen und die beschlagnahmten Pfandstücke aus der Stadt Dudel­dorf hinauszuschaffen. Mit der jetzt erhaltenen Selbstständigkeit entwickelte sich Dudeldorf sowohl gewerbs- und bevölkerungsmäßig immer mehr.

 

 

Dudeldorf im Industriezeitalter

Durch die fortschreitende Industriealisierung, das Aufkommen großer Maschinen und Fabrikbetriebe, begann im 19. Jahrhundert der Niedergang der Dudeldorfer Wollproduktion und damit ein rascher Rückgang der Bevölkerung. Der Absatz der Weber, Tuchmacher, Wollspinner, Gerber und Sattler ließen nach, so dass viele Hand­werksbetriebe auf Kleinbauernbetriebe als Nebenerwerb umstellten. Einwohnerzahl: 1844=850 und 1906=800. Im Jahre 1850, mit dem Erlass der preußischen Städte- und Landgemeindeordnung verlor Dudeldorf seinen Rechtsstatus als Stadt und war fortan als Landgemeinde Sitz einer Amtsbürgermeisterei im Kreis Bitburg. Bis zur Verwaltungsreform 1969/70 bleibt Dudeldorf Sitz einer Amtsbürgermeisterei. Seit 1970 gehört Dudeldorf zu der neu geschaffenen Verbandsgemeinde Bitburg - Land im Landkreis Bitburg - Prüm.

 

Ortsbild und alter Ortskern Dudeldorfs

Die Silhouette wird von der Burg und der Pfarrkirche bestimmt. Das Gelände steigt nach Norden hin erheblich an. Gemäß der topographischen Lage weist der Grundriss des alten Dorfkerns ungefähr die Form eines nach Norden erweiterten Rechtecks auf. Den nördlichen Abschluss bildet die Burg mit der Burggartenmauer, den südlichen die ehemalige Gasse „Hinter der Mauer“, die heutige Langmauer. Mittelpunkt ist wie eh und je die zwischen den Toren verlaufende Hauptstraße. In dem Schnittpunkt von Hauptstraße und Kirchstraße lag ehemals der Marktplatz.

Interessant  und typisch für Dudeldorf sind kleine verlängerte Sackgassen, die so­genannten Schlüpfe und Durchgänge, welche auf den wehrhaften Charakter des Or­tes hinweisen. Auf einem Rundgang durch Dudeldorf fällt auf, dass trotz einer Reihe negativer Um- und Anbauten in den siebziger Jahren die Anzahl an historischen, ortsbildprägenden  Häusern, welche  von Dudeldorfs wohlhabender Vergangenheit als Wollproduktionszentrum zeugen, noch erstaunlich groß ist. Alle Häuser in Du­deldorf sind in Steinbauweise errichtet, wie sie früher für die ganze Südeifel grenz­übergreifend typisch waren.

Bis 1970 standen die Häuser noch relativ dicht gedrängt. Am oberen Tor, mit der an­schließenden Gastwirtschaft, erstreckt sich zur Linken der Friedhof. Westlich ist er von der Stadtmauer umgeben, der Eingang besteht aus mächtigen Pfeilern. Dieser Eingang bildete früher das Tor zum Burghof auf der nördlichen, der Ordorfer Seite. Er wurde bei der Verlegung des alten Friedhofes neben der Kirche 1809 hierher ver­setzt und dabei etwas abgeändert. Gehen wir langsam durch die Hauptstraße vom Obertor zum Untertor, so fällt die große Zahl scheinbar bedeutungsloser, doch für das Ortsbild wichtiger historischer Bauten auf, vorwiegend Häuser aus dem 18. Jahrhundert. Diese wurden vorbildlich restauriert, hier ist ein Breitgiebelhaus er­wähnenswert. Breitgiebelhäuser dieses Typs stellen auch grundsätzlich eine Son­derform dar. Der Erbauer dieses Dudeldorfer Breitgiebelhauses, der Baumeister Bal­thasar Seeberger, stammte wie viele Handwerker dieser Gegend aus Tirol. Zur Zeit der österreichischen Herrschaft wanderten infolge der günstigen Auftragslage für das Baugewerbe nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges viele Hand­werker in diese Gegend aus. Aus Quellen geht hervor, dass Balthasar Seeberger den Neubau der Burg geleitet hat.

 

Modernes Wohngebiet

Das erste Neubaugebiet entstand vor dem Untertor. Im Katasterplan von 1825 sind bereits 20 Gebäude in örtlicher Richtung eingezeichnet, und zwar in der Bergstraße und der heutigen Spangerstraße. In der Bergstraße Nr. 1 befindet sich das ehemalige Notariat, ein strenger, harmonischer Bau von 1850. Wie die erste Erweiterung Dudeldorfs war auch die zweite längst der Herforsterstraße durch die Umstrukturierung des Dorfes bedingt. So erstrecken sich in ziemlich intakter Zeile viele Kleinbauernhöfe, soge­nannte Trierer Häuser, entlang dieser Straße. Sie bilden eine Zeilenbebauung "Trie­rer Zeile" genannt.

Die dritte große Umstrukturierung Dudeldorfs erfolgte im 20. Jahrhundert, in den Jahren 1950/51, als zwei große Flugplätze der US-Streitkräfte nicht unweit von Du­deldorf bei Spangdahlem / Binsfeld und Bitburg-Mötsch / Röhl errichtet wurden.

Ein weiteres Neubaugebiet entstand in der Mulde zwischen der Bundesstraße 50 und dem Obertor, hier wurden auch die Schule im Jahre 1956 und der Kindergarten im Jahre 1972 errichtet.